| Lernplattformen |
| [1] Grundsätzliche Funktionsbereiche von webbasierten Lernplattformen |
Unter einer webbasierten Lernplattform versteht man eine serverseitig installierte Software, die beliebige Lerninhalte über das Internet zu vermitteln hilft und die Organisation der dabei notwendigen Lernprozesse unterstützt.
Durch diese Definition, die als Grundbasis angesehen wird und gegebenenfalls erweitert werden kann, werden z.B. serverseitige Autorenwerkzeuge oder Bildungsinhalte ohne organisierende Funktion des Lernprozesses (Download von Skripten) ausgeschlossen.
Für rein webbasierte Lernplattformen können grundsätzlich fünf Funktionsbereiche identifiziert werden, die in folgender Abbildung dargestellt werden.
Abbildung: Zusammengefasste Funktionsbereiche von webbasierten Lernplattformen
Webbasierte Lernplattformen müssen nicht unbedingt über alle Funktionsbereiche verfügen, jedoch stellt diese Zusammenfassung der Funktionsbereiche die grundlegenden Hauptelemente dar.
| [2]Learning Management Systeme (LMS) |
Als ein Learning Management System kurz LMS wird ein Softwaretool, auf welches im Intranet/Internet zugegriffen werden kann und das über eine entsprechende Oberfläche bestimmte Funktionalitäten wie den Aufruf und die Administration von Lernern, Lerninhalten, Übungsaufgaben, Kommunikationstools usw. von einer zentralen Stelle aus ermöglicht bezeichnet. In der deutschsprachigen Literatur wird Learning Management System gerne mit Lernplattform übersetzt, wobei wir den Begriff hier weitreichender verwenden.
Nachfolgende Darstellung soll einen Überblick geben wie man sich den Aufbau von LMS vorstellen kann.
Abbildung: Learning Management System (LMS)
Die Elemente eines LMS sind ja aus der Abbildung klar ersichtlich, aber wie soll man sich jetzt die Funktionsweise eines solchen Systems vorstellen?
Der kommerziell zugekaufte oder mittels Autorenwerkzeuge selbst erstellte Inhalt wird in einer Datenbank verwaltet. Daraus folgt, dass die kleinste Lerneinheit in einem Learning Management System der Online-Kurs selber ist. Eine Wiederverwendbarkeit ist somit nur auf Kursebene gegeben (ein Kurs à viele Kursteilnehmer). Es wird vom System mitverfolgt und festgehalten, welche Kurse, Tests usw. bereits absolviert wurden (Tracking). Für die Kursteilnehmer besteht auch die Möglichkeit sich über synchrone oder asynchrone Kommunikationswerkzeuge zu verständigen und zu kollaborieren.
| [3] Content Management Systeme (CMS) |
Content Management Systeme kurz CMS haben sich vom ursprünglichen organisieren und managen von Inhalten hin zu komplexen Redaktionssysteme entwickelt. Sie koordinieren den Workflow bei webbasierten Arbeitsprozessen und haben Funktionen von Autorenwerkzeuge (dienen also zum Produzieren von Inhalten).
Content Management Systeme zeichen sich durch folgende Merkmale aus:
Nachfolgende Abbildung zeigt nun das Zusammenwirken von Bestandteilen und Menschen in einem Content Management System:
Abbildung: Content Management System (CMS)
Wie bereits erwähnt ist aus der Abbildung ersichtlich, dass mit integrierten oder externen Autorenwerkzeuge Inhalte (Komponenten) erstellt, mit Metadaten versehen und in einer Komponenten-Datenbank abgespeichert werden. Chefredakteure redigieren diese Inhalte und genehmigen sie. Nun können Redakteure aus den genehmigten Komponenten Artikel zusammensetzen und veröffentlichen lassen. Als Besucher kann ich nun ein Profil hinterlegen - sprich eine Personalisierung vornehmen - und mir nur gewünschte Inhalte anzeigen lassen. Die kleinste Einheit ist die Content-Komponente. Die Wiederverwendbarkeit ist somit auf der Ebene der Content-Komponente gegeben (eine Content-Komponente à viele Artikel à viele Leser).
Es wird auch die Rollenstruktur eines CMS ersichtlich: Verschiedene Benutzergruppen haben unterschiedliche Rechte (von Leserechten über Inhalterstellungsrechten bis hin zu Managementrechte des Arbeitsflusses).
Folgende Funktionen von CMS können identifiziert werden:
Abbildung: Funktionen von Content Management Systemen (CMS)
| [4] Learning Content Management Systeme (LCMS) |
Da wir jetzt die Grobstruktur und die Funktionsweise von Learning Management Systemen und Content Management Systemen kennengelernt haben, können wir nun einen Schritt weitergehen. Das Learning Content Management System (LCMS) ist nun nämlich eine Kombination eines Learning Management System (LMS) und eines Content Management Systems (CMS). Kurz gesagt: LCMS=LMS+CMS.
Ein LCMS ist somit ein System zur Erstellung, Speicherung und Verwaltung von wieder verwendbaren Lernobjekten (RLO’s – Reusable Learning Objects). Solche RLO’s bzw. Lernobjekte stellen die kleinste sinnvolle Lerneinheit dar, in die ein Online-Kurs zerlegt werden kann. LCMS bietet des weiteren es die Organisation und Betreuung webunterstützten Lernens.
Folgende Abbildung soll Ihnen nun einen Überblick über den Aufbau die Funktionsweise von Learning Content Management Systemen geben:
Abbildung: Learning Content Management System (LCMS)
Es wird ersichtlich dass auf Ebene der Autoren mittels Autorenwerkzeugen produzierte Lernobjekte bzw. natürlich auch zugekaufte, mit Metadaten versehen, in der Datenbank des LCMS gespeichert werden. Sodann werden diese Lernobjekte auf der Genehmigungsebene editiert und als RLO’s freigegebene. Das bedeutet sie können nun zu Online-Kursen zusammengestellt werden, wobei je nach hinterlegten Profilen der Lerner das System diese Einheiten zuteilen kann. Weiters können dann auch zusammengestellte Kurse, mit Metadaten versehen, abgespeichert werden und je nach belieben daraus ganze Lehrgänge erstellt werden.
So weit zur Funktionsweise, aber welche Vorteile können nun dem Lerner durch dieses System geboten werden:
| [5] Lernplattform bzw. Lernumgebung |
Nun sollte eigentlich die Frage "Was versteht man unter dem Begriff Lernplattform" soweit beantwortet worden sein, dass zumindest der Aufbau und die Funktionsweise solcher komplexen Systeme verständlicher geworden ist.
Der Begriff Lernplattform kann nun als ein Überbegriff über alle existierenden Formen von Lernumgeben verwendet werden. Eine Lernplattform kann somit alle Funktionen und Ausprägungen eines LCMS besitzen, muss dies allerdings nicht zwingend. Lernumgebung wird synonym zu Lernplattform verwendet.
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erstellt: Jänner 2003 |