| Crossteaching: mit der FHTW-Berlin Sommersemester 2002 |
| [1] Kooperation mit der FHTW-Berlin |
| [2] Die eingesetzte Technik |
| [3] Das pädagogische Konzept |
| [4] Reaktionen der Teilnehmer |
[1] Kooperation mit der FHTW-Berlin
Der langjährigen Tradition folgend, wurden auch dieses Semester wieder kooperative Formen des Hochschulunterrichts in Zusammenarbeit mit der FHTW-Berlin erprobt und durchgeführt. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, daß mit den vorhandenen Mitteln der Internet-Technik sinnvolle und akzeptierte Konzepte der Fernlehre bzw. offener, angereicherter Unterrichtsformen durchführbar sind.
Die Mehrzahl der Teilnehmer beurteilte die demonstrierten Formen als positiv und horizonterweiternd. Mehrfach wurde der Wunsch nach gradueller Verbesserung der Technik (gemeint war vor allem die Qualität der Videoübertragung) geäußert.
Der gegenständliche Erfahrungsbericht hat die bisher entwickelten Konzepte aus dem Austausch zwischen der Universität Linz, der Universität Salzburg und der FHTW-Berlin zusammengefaßt. Sie kommen zur Anwendung auf die Kooperation zwischen
[2] Die eingesetzte Technik
Das Internet, als Träger für den Datenfernverkehr schien in der gegebenen Situation die grundlegenden Anforderungen an die Übertragungsrate ausreichend zu erfüllen. Die Werte schwankten zwischen 120 kbit/sec und 240 kbit/sec, wobei die Untergrenze von der situativ verfügbaren Leitungskapazität bzw. vom erzeugten Datenstrom abhängig war, die Obergrenze jedoch von der eingestellten Bandbreitenbegrenzung der eingesetzten Software "daViCo".
Die soeben angegebenen Werte beziehen sich auf die Durchführung des Teleteachings am 3. Juni 2002. Zum Zeitpunkt des Crossteachings, am 23. Mai 2002 zeigte sich die Verbindungsqualität wegen einer "Störung des Deutschen Forschungsnetzes" erheblich schlechter. Repräsentativ dürften jedoch die erreichten Werte vom 3. Juni sein.
Als Accessprovider dienten der FHTW-Berlin das Deutsche Forschungsnetz und der FH Hagenberg das aconet. Beide Netze sind über das pan-European Gigabit Research Network (GEANT) verbunden.
"DANTE has just finished implementing GÉANT, the latest generation of pan-European research network infrastructure to exploit emerging developments in telecommunications technology. It continues the dual roles of providing an infrastructure to support researchers, as well as providing an infrastructure for research itself. The GÉANT backbone, based on DWDM, has been rolled out in phases from early October 2001 and has taken over fully from the old TEN-155 network at the end of November 2001".
--> "The pan-European Gigabit Research Network", 10. Juni 2002, DANTE
Vergleichbare Verhältnisse können demnach auch für die meisten Länder der EU und darüberhinaus angenommen werden, wenn die entsprechenden Teilnehmer an das lokale Wissenschaftsnetz bzw. Forschungsnetz angeschlossen sind
Als Werkzeug für die synchrone Kommunikation diente das Softwarepaket daViCo der Gesellschaft für digitale audiovisuelle Kommunikation mbH.
"daViCo 2 ist eine Software, die es Ihnen von Ihrem Schreibtisch aus ermöglich, per Videokonferenz zusammenzuarbeiten".
--> Produktbeschreibung, 10. Juni 2002, daViCo

Abb 1.: Bildschirmphoto des Lehrerarbeitsplatzes in Berlin
daViCo vereinigt die Funktion der Videokonferenz mit der Funktion des Applicationsharings. Abbildung 1 zeigt ein verkleinertes Bildschirmfoto der Televorlesung vom 3. Juni. Das große Fenster in der linken Schreibtischhälfte bildet die Lernunterlage ab, die als Webdokument auch während der Televorlesung (anstatt einer Präsentation) zur Verfügung stand. Der mittels Applicationsharing an beiden Orten verfügbare Webbrowser konnte von beiden Teilnehmerseiten bedient werden. Die Überwiegende Anwendung war das Einblenden von vorbereiteten Lern- bzw. Präsentationsunterlagen und das Referieren auf bestimmte Dokumentstellen mittels Mauszeiger oder Textmarkierung.
Die beiden Videofenster in der rechten Schreibtischhälfte wurden der zu erwartenden Übertragungsrate entsprechend, klein gehalten. Sie erfüllten jedoch die erwartete Funktion ausreichend. Die für den Vortragenden wichtigen Aktionen und Reaktionen der Teilnehmer wurden neben der akustischen Verständigung auch visuell deutlich erkennbar übermittelt. Der Videostrom erfüllte aber im gesamten Themenumfang keine inhaltliche Aufgabe. In Anwendungsfällen, in denen die Bewegtbildübertagung wesentliche Beiträge zur Darstellung des Themas liefert, wird der Anspruch an die Videoqualität (Größe des Videofensters, Bildwiederholrate, ..) abweichen.
Die beiden Fenster rechts unten dienen der Steuerung der synchronen Kommunikation. So könnte z.B. die Begrenzung der Übertragungsrate bei schwankenden Bandbreiten variiert werden oder hinzukommende Applikationen bzw. Applikationsfenster in das Applicationsharing aufgenommen werden. Der "rote Knopf" in der rechten unteren Hälfte bedeutet: Aufnahme. Die beteiligten Partner können die Videokonferenz und die Aktionen des Applicationsharings lokal speichern um später nochmals darauf zurückzugreifen.

Abb 2.: Fernlektor in Berlin
[3] Das pädagogische Konzept
Die Televorlesung und das Crossteaching, sind jedoch nur Teile einer Fernlernsequenz. Aufgrund einer vorausgegangenen Abstimmung der Curricula der gegenständlichen Vorlesungen, wurden verschiedene Formen der Vortragstätigkeit und der Einsatz asynchroner Kommunikationsmittel gemischt.
Neben den terminlich gebundenen Vorträgen:
| Datum | Thema / Art | Konzeption |
| 23. Mai 2002 | Thema: Kooperatives Publizieren, als Crossteaching von Hagenberg nach Berlin. | Zwei reale Hörsäle, jeweils in Berlin und Hagenberg, werden zu einem virtuellen Hörsaal verbunden. Ein Haupttrainer befindet in Hagenberg, ein Cotrainer in Berlin. |
| 30. Mai 2002 | Thema: eLearning, als klassische Vorlesung an der FHTW-Berlin. | Klassische Vorlesung |
| 3. Juni 2002 | Thema: Cross-Culture-Communication als Televorlesung. | Die Teilnehmer in Hagenberg waren ohne Trainer. Ein Teilnehmer moderiert, ein anderer Teilnehmer "bedient die Technik".
Der Gastreferent und der Leiter der Lehrveranstaltung befinden sich in Berlin. |
kommen vorbereitete Webdokumente, Diskussionsforen und Elemente einer eLearning Plattform (Eigenentwicklung) zum Einsatz. Bereits im Vorfeld der Organisation können Lernunterlagen, Themen- und Terminpläne und Teilnehmerlisten, mit Aufgabenbeschreibungen und eMailadressen, vorteilhaft genutzt werden.
Die Mischung an Vortragsformen spiegelt sich auch im Medienmix wider. Es hat sich empirisch herausgestellt, daß bestimmte Konzepte des mediengestützten Unterrichts durchaus brauchbar sind, deren Einflußfaktoren (Medienkompetenz der Beteiligten, Thema, Qualität der Technik, ...) aber erst grob eingeschätzt werden können. Für das hier dargestellte Konzeptionsfeld konzentrieren sich die Informations- und Kommunikationstechniken auf folgende Auswahl:

Abb 3.: Auswahl der Kommunikationstechniken
Die Kombination der markierten Formen der synchronen und asynchronen Kommunikationstechniken hat einen ausreichenden Nutzen gestiftet, um selbst bei Teilnehmern, ohne die physische Anwesenheit des Lehrveranstaltungsleiters, einen überwiegend positiven Aspekten dieser Unterrichtsform abzugewinnen.
Der Hauptnutzen im vorliegenden Experimentierfeld scheint sich auf die Erweiterung des Aktionsraumes zu beziehen. Dazu zählt das Einbringen von fernen Expertisen in den "lokalen Unterricht" ebenso, wie der Aufbau von Kontakten zu Mitstudenten an anderen Hochschulen.

Abb 4.: Gastreferent in Berlin
Auf den persönlichen Kontakt zum Lehrveranstaltungsleiter, kann laut Aussagen aller Beteiligten, in absehbarer Zeit jedoch nicht gänzlich verzichtet werden.
[4] Die Reaktionen der Teilnehmer
Einer der Teilnehmer hat auf einem der eingebundenen Diskussionsforum auf die Frage: "Würden Sie die 500ertste Televorlesung in der dargebotenen Art auch noch besuchen?" folgendermaßen geantwortet:
Hallo
die zweite Session des Crossteachings war schon weit plakativer als die erste, das lag wohl auch an der größeren Bandbreite, sodass der Vortragende auch wirklich zu erkennen und mitzuverfolgen war.
Die Frage ob ich es mir vorstellen könnte für immer solche Vorträge annehmen würde beantworte ich mit JA, aber mit der Einschränkung dass dies für mich nur als Ergänzung des herkömmlichen Unterrichts in Frage kommt, aber kein Ersatz ist. Der persönliche Kontakt mit dem Vortragenden ist und bleibt für mich ein wichtiger Punkt den auch Tools wie Application Sharing nicht abschaffen können.
Wofür ich es sehr sinnvoll halte ist die Sammlung von Wissen ausserhalb der Studienzeiten, d.h. dass Wissensquellen auch ausserhalb des FH-Gebäudes angezapft werden können.
Ein weiterer positiver Punkt ist für mich dass es die Einbindung von Vortragenden aus weiter Ferne wesentlich erleichtert, die sonst möglicherweise aufgrund der Anfahrtszeiten nicht die Zeit für einen Besuch hätten.
Als technischer Aufbauer des Systems würde ich mir weiters wünschen dass das System "Plug-And-Play"-fähig ist, d.h. eine geschlossene Lösung aus Hardware/Software, sodass die hier aufgetauchten Bastlereien nicht mehr notwendig sind.
--> Thomas Brandstetter, Diskussionsforum 7.6.2002
Die Argumentation dieses Teilnehmers sei stellvertretend für eine Befragung der Grundgesamtheit aller Teilnehmer und deren statistische Auswertung angeführt.
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H. Mittendorfer erstellt: 10. Juni 2002 |