Semiotik NewMedia FHTW-Berlin, Universität Linz

Semiotik

Um Texte ansprechend aufzubauen, sollte man visuelle Darstellungen mitverwenden. Dafür ist der Einsatz von Symbolen und Zeichen wesentlich. Die Semiotik (von dem griechischen Wort semeion=Zeichen) beschäftigt sich genau mit diesen Punkten. Die bekannteste Definition von Semiotik ist, in Anlehnung an den griechischen Ursprung, daß sie "die Lehre von Zeichen" ist.

Semiotik versucht mediale Texte als Ganzes zu betrachten, im Gegensatz zur Linguistik, die auch quantitative Analysen macht. Aber, wie Olivier Burgelin argumentiert: There is no reason to assume that the item which recurs most frequently is the most important or the most significant, (...) the place occupied by the different elements is more important than the number of times they recur. (aus: Burgelin, Olivier (1968): "Structural Analysis and Mass Communication").

Dennoch hängen Semiotik und Linguistik stark zusammen - je nach wissenschaftlicher Anschauung ist mal Semiotik ein Teil der Linguistik und mal Linguistik ein Teil der Semiotik.

Im Sinne der Semiotik sind Zeichen Wörter, Bilder oder irgendwas, was einen Sinn darstellen kann. Jedes Zeichen besteht dabei aus

einem Zeichen
z.B. dem geschriebenen Wort "Baum",
einem Bezeichner
analog den Buchstaben B, A, U und M,
einem bezeichneten Konzept
der Kategorie der Bäume.
Dabei muß kein direkter Zusammenhang zwischen dem Bezeichner und dem Bezeichneten bestehen - dieser ist rein willkürlich und oftmals historisch gewachsen.

Semiotik unterscheidet dabei drei Arten von Zeichen:

Symbol
Ähnelt dem Gegenstand nicht, hat aber eine willkürliche Beziehung zum Gegenstand
Beispiel: Ein Stopschild
Icon
Ein Zeichen, das dem Gegenstand ähnlich sieht.
Beispiel: Portrait, Diagramm, Landkarte
Index
Ein Zeichen, das mit dem Gegenstand (existentiell oder ursächlich) verwandt ist
Beispiel: Rauch signalisiert Feuer

Zeichen werden in zwei Typen organisiert:

Paradigmen
Klassifikation von Zeichen.
Ein Satz von assoziierten Zeichen, die alle zu einer gemeinsamen Kategorie gehören, aber doch alle unterschiedlich sind.
Syntagmen
Kombination von interagierenden Zeichen, die ein Ganzes bilden (bezogen auf den Inhalt).
Anmerkung: Der geneigte Leser möge beachten, daß der Begriff "Pagadigma" (wie auch schon aus der gleichzeitigen Verwendung von "Syntagma" ersichtlich) hier in seiner sprachwissenschaftlichen Bedeutung verwendet wird und nicht in der Bedeutung aus der Philosophie und Wissenschaftstheorie (nach Wittgenstein sind Paradigmen "Muster" oder "Standards", nach denen die Erfahrung verglichen und beurteilt wird) oder der Bedeutung in der antiken Rhetorik (dort war ein Paradigma eine als positiver oder negativer Beleg angeführte typische Begebenheit).

Semiotiker achten oftmals darauf, warum ein bestimmtes Paradigma in einem bestimmten Zusammenhang benutzt wurde und nicht eine andere brauchbare Alternative. John Fiske schrieb dazu in "Introduction to Communication Studies (1982)": The meaning of what was chosen is determides by the meaning of what was not.

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist:

Denotation
Wofür steht das Zeichen?
Konnotation
Die kulturelle Assoziation des Zeichens
Die Konnotation enthält emotionale Untertöne, subjektive Interpretationen, sozio-kulturelle Werte und ideologische Annahmen. Die Denotation eines Zeichens hingegen stimmt in weiten Teilen mit seiner Bedeutung (s.o.) überein.

Desweiteren benutzen Semiotiker auch Begriffe aus der Rhetorik:

Metapher
Unbekannte Ausdrücke und Begriffe werden in gebräuchlichere Umschreibungen (Bilder) umgesetzt.
Metonomie
Ein assoziiertes Detail dient als Umschreibung für eine Sache oder einen Gedanken. Z.B. steht die Krone für Könige.
Ich lasse die Möglichkeiten der Aufschlüsselungen hier enden. Es gibt noch einige weitere Punkte, die von Semiotikern betrachtet werden. Die Semiotik ist halt ein eigenes Forschungsgebiet. Ein wichtiger, populärer (um nicht zu sagen populärwissenschaftlicher) Vertreter ist Umberto Eco mit seinem Buch Semiotik. Leider ist es mir nicht gelungen, das Buch in einer Bibliothek zu ergattern, daher bleibt dieser Punkt leider unbetrachtet.


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© Torsten Buller, created: 1995-10-17, modified:1996-01-02