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Telearbeit - Zusammen einsam?

Inhaltsübersicht:

ball Einleitung

Der Wecker klingelt. Es ist sechs Uhr und 5 Minuten. Müde schleppe ich mich aus dem Bett. Auf dem Weg zur Arbeit - Stau - wie sicherlich jeden Morgen. Nur gut, daß ich nicht täglich diesen Weg nehmen muß. Dieser Tag bringt meinen sonst üblichen Arbeitsrhythmus etwas durcheinander, weil ich heute wesentlich früher aufstehen mußte. Aber heute ist Mittwoch und die Arbeitsergebnisse der letzten Woche müssen im Team besprochen werden. Zum Glück bin ich gut vorangekommen und konnte Willi gestern noch rechtzeitig meine Ergebnisse zusenden.

Telearbeiter Telearbeit. So oder ähnlich könnte für einige von uns der zukünftige Job aussehen. top


ball Was versteht man unter Telearbeit?

Unter Telearbeit versteht man die häusliche oder wohnortnahe Arbeit unter Nutzung der Informations- und Kommunikationstechnik.

Telearbeit ist die Verarbeitung von Informationen per Computer und Telekommunikation. Dabei greift der Telearbeiter häufig auf fremde Computer zu, zur Recherche oder zum Übersenden von Ergebnissen.

Telearbeit kann in allen Wirtschaftsbereichen praktiziert werden.Videokonferenzen und Bildtelefon ermöglichen schon heute ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht. Bei der Übertragung von Texten oder Tabellen spielt es ohnehin kaum eine Rolle, ob die vernetzten Rechner in einem Gebäude stehen oder über Telefon- oder ISDN-Leitung verbunden sind.
Insbesondere Unternehmen der Branche Banken, Versicherungen und unternehmensbezogene Dienstleistungen nutzen Telearbeit in größerem Umfang. Dies hängt mit der hohen Vertrautheit der Angestellten mit Informationstechnologie und Telekommunikation sowie der häufig dezentralen Organisation dieser Unternehmen zusammen, wo Niederlassungen und mobile Außendienstmitarbeiter bereits über Telekommunikation mit der Hauptniederlassung verbunden sind.
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ball Für wen ist Telearbeit gedacht?

Sicherlich kann nahezu jeder Telearbeit nutzen, vorausgesetzt er hat den passenden Beruf, das Einverständnis des Arbeitgebers und die entsprechenden Kommunikationsmittel - einen leistungsfähigen Computer, ein Modem und die notwendige Software.

In erster Linie werden solche Tätigkeiten wie Daten- und Texterfassung, Sachbearbeiteraufgaben im Verwaltungs- und Rechnungswesen oder Übersetzungen als für Telearbeit geeignet eingestuft. Aber auch so kreative Berufe wie Architekt, Journalist, Designer, Software-Entwickler und Wissenschaftler oder Servicetätigkeiten wie Wartungsarbeiten lassen sich mit geeigneter Ausstattung und entsprechender Organisation außerbetrieblich durchführen. Man kann sich jedoch vorstellen, daß mit der Weiterentwicklung technischer und organisatorischer Möglichkeiten sowie mit zunehmender Akzeptanz der Telearbeit auch eine ganze Palette weiterer Tätigkeiten dezentral durchführen lassen. Solche Tätigkeitsfelder wären vorstellbar im Rechnungswesen, in Vertrieb und Marketing, in der Bestellannahme sowie in der Forschung.

Zur Zeit sind sicherlich der überwiegende Teil der Telearbeiter Selbständige, Freiberufler oder Führungskräfte.
Aber nicht nur für diese Leute hat Telearbeit eine besondere Bedeutung. Sie bietet Behinderten und gerade Frauen, die meist wegen der Kinderbetreuung für einige Jahre ganz aus dem Beruf gehen müßten, interessante Perspektiven. So verlieren Frauen durch die Verlagerung der Arbeit in das heimische Wohn- oder Arbeitszimmer nicht vollständig den Kontakt zur Berufspraxis und die lieben Kleinen können nebenbei auch noch betreut werden. Jedoch eignen sich nicht alle Beschäftigten für diese Tätigkeit. Die idealen Telearbeiter müssen selbständig und leistungsfähig sein sowie ein hohes Maß an Selbstdisziplin mitbringen, um etwa morgens den Weg vom gemütlichen Frühstück- zum Schreibtisch anzutreten - auch ohne Stechkarte oder den Kontrollblick des Chefs. Ohnehin ist es zu Hause schwerer, private und geschäftliche Dinge auseinanderzuhalten. Nur wer sich in der Firma gut auskennt, mit den Gepflogenheiten vertraut und selbständiges Arbeiten gewohnt ist, kann auch aus der Distanz befriedigend arbeiten. Die Arbeitnehmer sollten sich für die vereinbarte Arbeitszeit den Rücken frei halten und gegebenenfalls für regelmäßige Kinderbetreuung sorgen. Bei der Mehrzahl der Projekte zur Telearbeit hat sich herausgestellt, daß es sinnvoll ist, regelmäßig in die Firmenzentrale zu kommen, um persönliche Kontakte zu den Kollegen und Vorgesetzten zu aufrechtzuerhalten. Die gängige Erfolgsformel lautet: Nach vier Tagen im heimischen Büro kommt der Telearbeiter für einen Tag in die Zentrale. Einzelne Unternehmen praktizieren sogar die 3:2 Arbeitswoche. Auf jeden Fall sollte der Arbeitnehmer an allen wichtigen Besprechungen und Versammlungen teilnehmen.
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ball Welche Vorteile hat Telearbeit?

Ein wichtiger Aspekt der Telearbeit liegt bestimmt in der freien Zeiteinteilung. In dem allgemeinen Wandel in der Lebensqualität haben sich die Werte gegenüber früheren Zeiten verschoben. Die Freiheit der persönlichen Zeiteinteilung fernab von steigenden Bürostreß wird heute eher geschätzt. Man ist nicht an feste Arbeitszeiten gebunden, sondern kann auch mal länger schlafen und dafür nachts arbeiten oder wie auch immer man sich die Zeit einteilen möchte. Durch den kurzen "Arbeitsweg" fallen lange Fahrzeiten weg, wodurch dem Telearbeiter mehr Freizeit zur Verfügung steht. Im richtigen Moment Zeit für die Kinder haben und für die Kinder da zu sein, ist der Effekt, den Telearbeiter bei Befragungen am positivsten bewertet haben. Dabei mußten die Kinder jedoch erst lernen, daß Vater und Mutter während der Arbeit zu Hause nicht ständig ansprechbar sind. Bleibt festzustellen: Telearbeit ist jedoch kein Ersatz für eine Tagesmutter. Ein anderer Vorteil liegt in der höheren Produktivität der Telearbeit. Der Telearbeiter hat mehr Ruhe zum Arbeiten, keine störenden Gespräche der Kollegen oder klingelnde Telefone. Auch die freie, kreative Gestaltung seines Arbeitsraumes bietet gute Möglichkeiten, seine Arbeitslaune erheblich zu steigern, um somit effektiver und leistungsfähiger zu arbeiten. Insgesamt führt das zu einer höheren Motivation des Telearbeiters. top

ball Wo liegen die Nachteile der Telearbeit?

Befragungen in den USA haben ergeben, daß die Lebensqualität der Telearbeiter sich deutlich gesteigert hat, wenn sie daheim arbeiten. Aber ebenso deutlich wird erkennbar, daß die Telearbeiter sich schnell sozial isoliert fühlen. Der direkte Kontakt zu den Kollegen kann durch keinen Computer ersetzt werden.

Der ständige, direkte Kontakt zu Kollegen und Mitmenschen fehlt, zu den Menschen, die man ansonsten täglich in der überfüllten U- und S-Bahn oder im Stau trifft. Von daher ist Telearbeit, meiner Meinung nach, nicht für alle Charaktere geeignet.

Ungünstig kann sich Telearbeit auch auf das Familienleben auswirken. Durch fehlende Trennung von Beruf und Privatleben können Probleme bei der Arbeit sich direkt auf die Familie auswirken. Die Familie kann dann nicht mehr als Berater oder Ruhepol fungieren, sondern ist aktiv am Geschehen beteiligt. Die Lösung dazu ist ganz einfach: Jeder muß für sich entscheiden, ob er Telearbeit zu Hause mag oder nicht. Telearbeit kann nicht eingefordert und schon gar nicht angewiesen werden. Zur Telearbeit gehören immer zwei harmonierende Partner. Eine realistische Alternative dazu wären die Teleworking-Zentren. Das sind lokale Arbeitszentren, von mehreren Firmen in Kooperation errichtet und mit notwendiger Technik ausgestattet, in der Nähe von Stationen hochrangiger öffentlicher Verkehrsmittel. Dieser nahe Arbeitsplatz spart Fahrzeit, reduziert unnötige Fahrten - ermöglicht aber neue soziale Kontakte. top

ball Welche Anforderungen werden an einen Telearbeitsplatz gestellt?

Handelsübliche Büromöbel bieten gute und komplexe Lösungen für einen angenehmen und sicheren Arbeitsplatz. Sie sind relativ preiswert, meist von formschönen Design geprägt und verringern auch mögliche Gefahren für Kleinkinder, Haustiere und den Telearbeiter. Steckdosen und Kabelkanäle sind dann nur für Erwachsene zugänglich.

Der Telearbeitsplatz sollte aber auch den Anforderungen an Ergonomie und Funktionalität gerecht werden. Für den Bildschirm zu Hause gilt zwar nicht die EU-Richtlinie "Bildschirm-Arbeitsplätze", jedoch sollte hier ein wesentlicher Augenmerk liegen, um seine Augen und Gesundheit nicht zu schädigen.
In der Regel wird die technische Ausstattung vom Arbeitgeber übernommen. In der Kalkulation müssen auch die monatlich anfallenden Kosten wie Telephon oder Gebühren für Kommunikationsdienste berücksichtigt werden.
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ball Welchen Nutzen zieht die Umwelt ?

Dieser Punkt kann sicherlich nicht außer acht gelassen werden, denn ihm kommt eine besondere Bedeutung zugute. Durch die sinnvolle Verlagerung von Dienstleistungen auf die Datenautobahn könnte der Verkehr verringert und der Ausbau der Straßen reduziert werden. Durch weniger Autos würde die Abgasbelastung verringert werden, was gerade in den Sommermonaten zu einer Verringerung des Sommersmog beitragen würde.
Fast alle Studien zur Telearbeit weisen darauf hin, daß der durch sie eingesparte Berufsverkehr nur geringfügig durch vermehrte private Fahrten wieder kompensiert wird. Schließlich bedeutet Telearbeit nicht unbedingt mehr Freizeit, sondern vor allem flexiblere Arbeitszeit. Untersuchungen darüber, wie groß das Substitutionspotential im Verkehrsaufkommen durch Telekommunikation tatsächlich ist oder einmal sein wird, sind noch vage. Zieht man alle Sparten zusammen - Telearbeit statt Pendlerverkehr, Teleshopping statt Einkaufen gehen, Videokonferenzen statt Geschäftsreisen und elektronische Post statt Gütertransport - dann sind bei einer nennenswerten Verbreitung dieser Anwendungen beachtliche Entlastungen zu erwarten. Das Frauenhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung (ISI) in Karlsruhe kommt bei seiner Untersuchung zur Telearbeit zu dem Ergebnis, daß sich durch Telekommunikation rund 8 % der Personenverkehrsleistung einsparen ließe. Das entspräche über 75 Milliarden Personenkilometer pro Jahr. Ein beachtliches Ergebnis! top

ball Wie ist die rechtliche Situation ?

Im ersten deutschen "Tarifvertrag zur Teleheimarbeit" habe im November 1995 Postgewerkschaft und Telekom, als Netzmonopolist, ein arbeitsrechtliches Fundament für die Telearbeit in Deutschland gelegt. Danach sollen Mitarbeiter niemals gezwungen werden, den Arbeitsplatz in der heimischen Wohnung einzurichten. Außerdem soll der Telearbeiter stets das Recht haben, wieder an seinen Schreibtisch in der Firma zurückzukehren.
Bleibt das Arbeitsverhältnis bestehen, so treten keine rechtlichen Veränderungen ein. Anders sieht es beim Heimarbeiter mit Pauschalvertrag aus; er besitzt nur eingeschränkte Rechte nach dem Heimarbeitsgesetz. Richtig Selbstständige dagegen arbeiten in keinem persönlichen Verhältnis, sondern für einen Auftraggeber. Sie besitzen daher keinen Schutz durch das Arbeitsrecht.
Der Arbeitnehmer sollte sich verpflichten, vertrauliche Unternehmensinformationen vor dem Zugriff von Fremden zu schützen.
Weiterhin sollten Versicherungsfragen klar geregelt werden: Welche Art von Arbeitsunfällen im heimischen Büro sind von der betrieblichen Unfallversicherung gedeckt? Wer bezahlt wenn der Computer kaputt ist? Wer kommt für Reparaturen an diesen technischen Geräten auf? top

ball Wie verbreitet ist Telearbeit ?

Schätzungen zufolge arbeiten in den USA bereits rund ein Viertel aller "Bueroarbeiter" in den eigenen vier Wänden. Auch in Deutschland entwickelt sich ein vergleichbarer Trend.

Eine Studie des Bonner Marktforschungsinstituts Empirica ergab, daß sich die Deutschen eher konservativ (altmodisch,unzeitgemäß,)in ihren Arbeitsstrukturen verhalten.

Wie diese Studie zeigt, findet man die meisten Telearbeiter in Großbritannien. Hier erledigen bereits 560.000 Arbeitnehmer oder 2,25 Prozent aller Beschäftigten ihre Arbeit ständig oder wechselseitig zu Hause. Zum Vergleich: In Deutschland arbeiten dagegen nur 150.000 (0,43 Prozent) in ihrem "Home-Office". Unverständlich, denn Empirica ermittelte bei einer Befragung, daß das Interesse in Deutschland bei 17,1 Prozent liegt. top

ball Ausblick

In den USA stellt Telecommuting bereits einen nicht mehr zu ignorierenden Faktor dar, auch wenn die Zahl der Telearbeiter deutlich hinter den Prognosen der 70er und 80er Jahre zurückbleibt. Nach einer Studie des New Yorker Consulting-Büros Link Resources arbeiten derzeit über acht Millionen US-Bürger mehr als zwei Tage pro Woche zu Hause und halten per Computer und Datenleitung Verbindung zu ihrem Unternehmen.
In Europa ist die Zahl der Telearbeiter indes noch vergleichsweise gering. Lediglich in Großbritannien und Frankreich werden die damit verbundenen Kosten- und Produktivitätsvorteile schon stärker genutzt. Telearbeit-Experten halten eine Produktivitätssteigerung von elf Prozent durch die flexiblere Arbeitszeiteinteilung und die höhere Motivation durchaus realistisch. Gleichzeitig sparen die Unternehmen Kosten für Büromieten, Ausstattung, Reinigung, Parkplätze, Essenkostenzuschüsse oder den Transport. Die notwendigen Investitionen dagegen werden durch den zunehmenden Preisverfall bei der Computerhardware immer geringer. In Deutschland wird der Telearbeit bislang immer noch nicht die richtige Aufmerksamkeit geschenkt. Doch es liegt in der Hand der einzelnen Unternehmen, die positiven Effekte der Telearbeit für sich nutzbar zu machen. Die dafür notwendigen technischen Voraussetzungen sind bereits vorhanden. Die Europäische Union will in den nächsten Jahren drei Millionen ECU (bzw. jetzt: EURO) in den Ausbau der Infrastruktur und die Entwicklung von kompatiblen Teleworking-Systemen investieren. Eine Hochrechnung der EU-Kommission für Telekommunikation schätzt ein, daß 1998 etwa 7,5 Prozent der Erwerbstätigen in der EU Telearbeiter sein werden. Das wären dann rund zehn Millionen Menschen, die einen wesentlichen Teil ihrer Arbeit entweder zu Hause oder in Teleworking-Zentren erledigen.
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