FHTW-Berlin,
Universität Linz
Inhaltsübersicht:
Der Wecker klingelt. Es ist sechs Uhr und 5 Minuten. Müde schleppe
ich mich aus dem Bett. Auf dem Weg zur Arbeit - Stau - wie sicherlich jeden Morgen. Nur gut, daß ich nicht täglich diesen Weg nehmen muß. Dieser Tag bringt meinen sonst üblichen Arbeitsrhythmus etwas durcheinander, weil ich heute wesentlich früher aufstehen mußte.
Aber heute ist Mittwoch und die Arbeitsergebnisse der letzten Woche müssen im Team besprochen werden. Zum Glück bin
ich gut vorangekommen und konnte Willi gestern noch rechtzeitig meine Ergebnisse zusenden.
Unter Telearbeit versteht man die häusliche oder wohnortnahe Arbeit unter Nutzung der Informations- und Kommunikationstechnik. Telearbeit ist die Verarbeitung von
Informationen per Computer und Telekommunikation. Dabei greift der Telearbeiter häufig auf fremde Computer zu, zur Recherche oder zum Übersenden von Ergebnissen.
Telearbeit kann in allen Wirtschaftsbereichen praktiziert werden.Videokonferenzen
und Bildtelefon ermöglichen schon heute ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht. Bei
der Übertragung von Texten oder Tabellen spielt es ohnehin kaum eine Rolle, ob die vernetzten
Rechner in einem Gebäude stehen oder über Telefon- oder ISDN-Leitung verbunden sind.
Sicherlich kann nahezu jeder Telearbeit nutzen, vorausgesetzt er hat den passenden Beruf, das Einverständnis des Arbeitgebers
und die entsprechenden Kommunikationsmittel - einen leistungsfähigen Computer, ein Modem und die notwendige
Software. In erster Linie werden solche Tätigkeiten wie Daten- und Texterfassung, Sachbearbeiteraufgaben
im Verwaltungs- und Rechnungswesen oder Übersetzungen als für Telearbeit geeignet eingestuft.
Aber auch so kreative Berufe wie Architekt, Journalist, Designer, Software-Entwickler und Wissenschaftler oder
Servicetätigkeiten wie Wartungsarbeiten lassen sich mit geeigneter Ausstattung und
entsprechender Organisation außerbetrieblich durchführen. Man kann sich jedoch vorstellen,
daß mit der Weiterentwicklung technischer und organisatorischer Möglichkeiten sowie mit
zunehmender Akzeptanz der Telearbeit auch eine ganze Palette weiterer Tätigkeiten dezentral
durchführen lassen. Solche Tätigkeitsfelder wären vorstellbar im Rechnungswesen, in Vertrieb
und Marketing, in der Bestellannahme sowie in der Forschung.
Zur Zeit sind sicherlich der überwiegende Teil der Telearbeiter Selbständige, Freiberufler oder
Führungskräfte.
Ein wichtiger Aspekt der Telearbeit liegt bestimmt in der freien Zeiteinteilung. In dem allgemeinen Wandel in
der Lebensqualität haben sich die Werte gegenüber früheren Zeiten verschoben. Die Freiheit der persönlichen
Zeiteinteilung fernab von steigenden Bürostreß wird heute eher geschätzt. Man ist nicht an feste Arbeitszeiten
gebunden, sondern kann auch mal länger schlafen und dafür nachts arbeiten oder wie auch immer man sich die Zeit einteilen möchte. Durch den kurzen "Arbeitsweg" fallen lange Fahrzeiten weg, wodurch dem Telearbeiter mehr Freizeit zur Verfügung steht.
Im richtigen Moment Zeit für die Kinder haben und für die Kinder da zu sein, ist der Effekt, den Telearbeiter
bei Befragungen am positivsten bewertet haben. Dabei mußten die Kinder jedoch erst lernen, daß Vater und Mutter während der Arbeit
zu Hause nicht ständig ansprechbar sind. Bleibt festzustellen: Telearbeit ist jedoch kein Ersatz für eine Tagesmutter.
Ein anderer Vorteil liegt in der höheren Produktivität der Telearbeit. Der Telearbeiter hat mehr Ruhe zum
Arbeiten, keine störenden Gespräche der Kollegen oder klingelnde Telefone. Auch die freie, kreative Gestaltung
seines Arbeitsraumes bietet gute Möglichkeiten, seine Arbeitslaune erheblich zu steigern, um somit effektiver
und leistungsfähiger zu arbeiten. Insgesamt führt das zu einer höheren Motivation
Befragungen in den USA haben ergeben, daß die Lebensqualität der Telearbeiter sich deutlich gesteigert
hat, wenn sie daheim arbeiten. Aber ebenso deutlich wird erkennbar, daß die Telearbeiter sich schnell sozial isoliert
fühlen. Der direkte Kontakt zu den Kollegen kann durch keinen Computer ersetzt werden.
Der ständige, direkte
Kontakt zu Kollegen und Mitmenschen fehlt, zu den Menschen, die man ansonsten täglich in der überfüllten U- und
S-Bahn oder im Stau trifft. Von daher ist Telearbeit, meiner Meinung nach,
nicht für alle Charaktere geeignet. Ungünstig kann sich Telearbeit auch auf das Familienleben
auswirken. Durch fehlende Trennung von Beruf und Privatleben können Probleme bei der Arbeit sich direkt auf die Familie
auswirken. Die Familie kann dann nicht mehr als Berater oder Ruhepol fungieren, sondern ist aktiv am Geschehen beteiligt.
Die Lösung dazu ist ganz einfach: Jeder muß für sich entscheiden, ob er Telearbeit zu Hause mag oder nicht. Telearbeit kann
nicht eingefordert und schon gar nicht angewiesen werden. Zur Telearbeit gehören immer zwei harmonierende Partner.
Eine realistische Alternative dazu wären die Teleworking-Zentren. Das sind lokale Arbeitszentren, von mehreren Firmen
in Kooperation errichtet und mit notwendiger Technik ausgestattet, in der Nähe von Stationen hochrangiger öffentlicher
Verkehrsmittel. Dieser nahe Arbeitsplatz spart Fahrzeit, reduziert unnötige Fahrten - ermöglicht aber neue
Handelsübliche Büromöbel bieten gute und komplexe Lösungen für einen angenehmen und sicheren
Arbeitsplatz. Sie sind relativ preiswert, meist von formschönen Design geprägt und verringern auch
mögliche Gefahren für Kleinkinder, Haustiere und den Telearbeiter. Steckdosen und Kabelkanäle sind dann nur für
Erwachsene zugänglich. Der Telearbeitsplatz sollte aber auch den Anforderungen an Ergonomie und Funktionalität gerecht
werden. Für den Bildschirm zu Hause gilt zwar nicht die EU-Richtlinie "Bildschirm-Arbeitsplätze", jedoch sollte hier ein
wesentlicher Augenmerk liegen, um seine Augen und Gesundheit nicht zu schädigen.
Dieser Punkt kann sicherlich nicht außer acht gelassen werden, denn ihm kommt eine besondere Bedeutung zugute. Durch
die sinnvolle Verlagerung von Dienstleistungen auf die Datenautobahn könnte der Verkehr verringert und der Ausbau der
Straßen reduziert werden. Durch weniger Autos würde die Abgasbelastung verringert werden, was gerade in den Sommermonaten
zu einer Verringerung des Sommersmog beitragen würde.
Im ersten deutschen "Tarifvertrag zur Teleheimarbeit" habe im November 1995 Postgewerkschaft
und Telekom, als Netzmonopolist, ein arbeitsrechtliches Fundament für die Telearbeit in
Deutschland gelegt. Danach sollen Mitarbeiter niemals gezwungen werden, den Arbeitsplatz
in der heimischen Wohnung einzurichten. Außerdem soll der Telearbeiter stets das Recht haben,
wieder an seinen Schreibtisch in der Firma zurückzukehren.
Schätzungen zufolge arbeiten in den USA bereits rund ein Viertel aller "Bueroarbeiter" in den eigenen vier
Wänden. Auch in Deutschland entwickelt sich ein vergleichbarer Trend. Eine Studie des Bonner Marktforschungsinstituts Empirica ergab, daß sich die Deutschen
eher konservativ (altmodisch,unzeitgemäß,)in ihren Arbeitsstrukturen verhalten.
Wie diese Studie zeigt, findet man die meisten Telearbeiter in Großbritannien.
Hier erledigen bereits 560.000 Arbeitnehmer oder 2,25 Prozent aller Beschäftigten ihre
Arbeit ständig oder wechselseitig zu Hause. Zum Vergleich: In Deutschland arbeiten
dagegen nur 150.000 (0,43 Prozent) in ihrem "Home-Office". Unverständlich, denn Empirica
ermittelte bei einer Befragung, daß das Interesse in Deutschland bei 17,1 Prozent
In den USA stellt Telecommuting bereits einen nicht mehr zu ignorierenden Faktor dar, auch wenn die Zahl der Telearbeiter
deutlich hinter den Prognosen der 70er und 80er Jahre zurückbleibt. Nach einer Studie des New Yorker Consulting-Büros Link
Resources arbeiten derzeit über acht Millionen US-Bürger mehr als zwei Tage pro Woche zu Hause und halten per Computer und
Datenleitung Verbindung zu ihrem Unternehmen.


Einleitung

Telearbeit. So oder ähnlich könnte für einige von uns der zukünftige Job aussehen.
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Was versteht man unter Telearbeit?
Insbesondere Unternehmen der Branche Banken, Versicherungen und
unternehmensbezogene Dienstleistungen nutzen Telearbeit in größerem Umfang. Dies hängt mit der hohen
Vertrautheit der Angestellten mit Informationstechnologie und Telekommunikation sowie der häufig dezentralen Organisation
dieser Unternehmen zusammen, wo Niederlassungen und mobile Außendienstmitarbeiter bereits über Telekommunikation
mit der Hauptniederlassung verbunden ![]()
Für wen ist Telearbeit gedacht?
Aber nicht nur für diese Leute hat Telearbeit eine besondere Bedeutung. Sie bietet Behinderten und gerade Frauen, die meist
wegen der Kinderbetreuung für einige Jahre ganz aus dem Beruf gehen müßten, interessante Perspektiven. So
verlieren Frauen durch die Verlagerung der Arbeit in das heimische Wohn- oder Arbeitszimmer nicht vollständig den
Kontakt zur Berufspraxis und die lieben Kleinen können nebenbei auch noch betreut werden.
Jedoch eignen sich nicht alle Beschäftigten für diese Tätigkeit. Die idealen Telearbeiter müssen selbständig
und leistungsfähig sein sowie ein hohes Maß an Selbstdisziplin mitbringen, um etwa morgens den Weg vom
gemütlichen Frühstück- zum Schreibtisch anzutreten - auch ohne Stechkarte oder den Kontrollblick des Chefs.
Ohnehin ist es zu Hause schwerer, private und geschäftliche Dinge auseinanderzuhalten.
Nur wer sich in der Firma gut auskennt, mit den Gepflogenheiten vertraut und selbständiges Arbeiten gewohnt
ist, kann auch aus der Distanz befriedigend arbeiten. Die Arbeitnehmer sollten sich für die vereinbarte
Arbeitszeit den Rücken frei halten und gegebenenfalls für regelmäßige Kinderbetreuung sorgen.
Bei der Mehrzahl der Projekte zur Telearbeit hat sich herausgestellt, daß es sinnvoll ist, regelmäßig in die
Firmenzentrale zu kommen, um persönliche Kontakte zu den Kollegen und Vorgesetzten zu aufrechtzuerhalten. Die
gängige Erfolgsformel lautet: Nach vier Tagen im heimischen Büro kommt der Telearbeiter für einen Tag in die
Zentrale. Einzelne Unternehmen praktizieren sogar die 3:2 Arbeitswoche. Auf jeden Fall sollte der Arbeitnehmer
an allen wichtigen Besprechungen und Versammlungen ![]()
Welche Vorteile hat Telearbeit?![]()
Wo liegen die Nachteile der Telearbeit?![]()
Welche Anforderungen werden an einen Telearbeitsplatz
gestellt?
In der Regel wird die technische Ausstattung vom Arbeitgeber übernommen. In der Kalkulation
müssen auch die monatlich anfallenden Kosten wie Telephon oder Gebühren für Kommunikationsdienste berücksichtigt ![]()
Welchen Nutzen zieht die Umwelt ?
Fast alle Studien zur Telearbeit weisen darauf hin, daß der durch sie eingesparte Berufsverkehr nur geringfügig durch vermehrte
private Fahrten wieder kompensiert wird. Schließlich bedeutet Telearbeit nicht unbedingt mehr Freizeit, sondern vor allem flexiblere Arbeitszeit.
Untersuchungen darüber, wie groß das Substitutionspotential im Verkehrsaufkommen durch Telekommunikation tatsächlich ist
oder einmal sein wird, sind noch vage. Zieht man alle Sparten zusammen - Telearbeit statt Pendlerverkehr, Teleshopping statt Einkaufen
gehen, Videokonferenzen statt Geschäftsreisen und elektronische Post statt Gütertransport - dann sind bei einer nennenswerten
Verbreitung dieser Anwendungen beachtliche Entlastungen zu erwarten. Das Frauenhofer-Institut für Systemtechnik und
Innovationsforschung (ISI) in Karlsruhe kommt bei seiner Untersuchung zur Telearbeit zu dem Ergebnis, daß sich durch Telekommunikation
rund 8 % der Personenverkehrsleistung einsparen ließe. Das entspräche über 75 Milliarden Personenkilometer pro Jahr. Ein ![]()
Wie ist die rechtliche Situation ?
Bleibt das Arbeitsverhältnis bestehen, so treten keine rechtlichen Veränderungen ein. Anders sieht es beim Heimarbeiter mit Pauschalvertrag aus; er besitzt nur eingeschränkte
Rechte nach dem Heimarbeitsgesetz. Richtig Selbstständige dagegen arbeiten in keinem persönlichen Verhältnis, sondern für einen Auftraggeber. Sie besitzen daher keinen Schutz
durch das Arbeitsrecht.
Der Arbeitnehmer sollte sich verpflichten, vertrauliche Unternehmensinformationen vor dem Zugriff von Fremden zu schützen.
Weiterhin sollten
Versicherungsfragen klar geregelt werden: Welche Art von Arbeitsunfällen im heimischen Büro
sind von der betrieblichen Unfallversicherung gedeckt? Wer bezahlt wenn der Computer kaputt ist? Wer kommt für Reparaturen an
diesen technischen Geräten ![]()
Wie verbreitet ist Telearbeit ?
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Ausblick
In Europa ist die Zahl der Telearbeiter indes noch vergleichsweise gering. Lediglich in Großbritannien und Frankreich werden
die damit verbundenen Kosten- und Produktivitätsvorteile schon stärker genutzt. Telearbeit-Experten halten eine Produktivitätssteigerung
von elf Prozent durch die flexiblere Arbeitszeiteinteilung und die höhere Motivation durchaus realistisch. Gleichzeitig sparen die Unternehmen
Kosten für Büromieten, Ausstattung, Reinigung, Parkplätze, Essenkostenzuschüsse oder den Transport. Die notwendigen Investitionen dagegen werden
durch den zunehmenden Preisverfall bei der Computerhardware immer geringer.
In Deutschland wird der Telearbeit bislang immer noch nicht die richtige Aufmerksamkeit geschenkt. Doch es liegt in der Hand der einzelnen Unternehmen,
die positiven Effekte der Telearbeit für sich nutzbar zu machen. Die dafür notwendigen technischen Voraussetzungen sind bereits vorhanden.
Die Europäische Union will in den nächsten Jahren drei Millionen ECU (bzw. jetzt: EURO) in den Ausbau der Infrastruktur und die Entwicklung von kompatiblen
Teleworking-Systemen investieren. Eine Hochrechnung der EU-Kommission für Telekommunikation schätzt ein, daß 1998 etwa 7,5 Prozent der Erwerbstätigen in der
EU Telearbeiter sein werden. Das wären dann rund zehn Millionen Menschen, die einen wesentlichen Teil ihrer Arbeit entweder zu Hause oder in ![]()
© M.Wolff
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