Fachhochschule für Technik und Wirtschaft Berlin
Die Wahrnehmung unserer Umwelt durch die Augen |
Wenn von neuen Medien" die Rede ist, kann man natürlich nicht ganz darauf verzichten, über jene Sinne und ihre Organe (Sinnesorgane) zu sprechen, über die es den Menschen erst möglich ist, in den Genuß eben jener Kommunikationsmittel zu kommen.
Im allgemeinen spricht man von den bekannten fünf Sinnen Sehen, Hören, Tasten, Riechen und Schmecken, die unsere Empfindungen steuern und dabei auch gleichzeitig von ihnen beeinflußt werden. Die Sinneswahrnehmungen sind praktisch verantwortlich für unsere bewußte biologische Existenz.
Im Rahmen meines Beitrages zur Vorlesung "New Media" möchte ich den Bereich der Wahrnehmungen über unsere Augen näher beleuchten, da sie den gröten Teil der Eindrücke, die das Gehirn empfängt und weiterverarbeitet, ausmachen.
Der Sehvorgang
Um im Vorfeld die grobe Funktionsweise des Auges beschreiben zu können, wird es immer wieder gern mit einer Kamera verglichen, wenngleich das Auge wesentlich leistungsfähiger ist, abgesehen von der schlechteren Optik bezüglich der Abbildung von Bildern auf der Netzhaut (Retina). Das abbildende optische System des Auges, das also dafür verantwortlich ist, daß überhaupt ein Bild auf der Netzhaut entsteht, wird durch die Linse mit Ringmuskel und die Iris, einer Haut mit Loch (Pupille), gebildet.

Den Sehvorgang kann man sich folgendermaßen vorstellen:
Das Auge wird durch die sechs Augenmuskeln auf den zu betrachtenden Gegenstand willentlich ausgerichtet. Nun folgt eine automatische Scharfeinstellung und Belichtung. Dabei wird die Linse durch den sie umgebenden Ringmuskel derart verformt, daß ein scharfes (umgekehrtes) Abbild auf der Netzhaut mit ihren unzähligen Sehzellen entsteht. Als Resultat des Meßvorgangs der Helligkeit der ankommenden Informationen durch die Sehzellen und ihrer Weiterleitung an das Gehirn über den Sehnerv, steht eine direkte Steuerung des Lichteinfalls durch die Iris. Sie vergrößert oder verkleinert die Pupille, so daß mehr oder weniger Licht durch die Linse einfallen kann.
Die Netzhaut, Zapfen und Stäbchen
| Die Netzhaut besteht, wie schon gesagt, aus einer regelmäßigen Anordnung einer Unmenge von Sehzellen, die sich unterscheiden lassen in Zapfen und Stäbchen. Das Farbensehen bei hellem Tageslicht geschieht mittels der ca. 6 Millionen Zapfen, das schwarz-weiße Dämmerungssehen über die wesentlich lichtempfindlicheren ca. 120 Millionen Stäbchen. |
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Über einem den Sehzellen nachgeschalteten Netzwerk von Nervenzellen erfolgt die Aufbereitung der gewonnenen Eindrücke für die eigentliche Verarbeitung im Gehirn, das über den Sehnerv mit seinen ca. 1 Million Leitungen diese Informationen empfängt.
Ein paar Bemerkungen zur Auflösung der dargestellten Bilder auf der Netzhaut.
Ganz klar hängt die Qualität der Abbildung von der einwandfreien Funktionsweise des optischen Apparates ab, jedoch auch von der Konzentration der Sehzellen, die nicht konstant ist.
Im Bereich des Gelben Fleckes (Fovea) findet man 140000 Sehzellen pro Quadratmillimeter. Hier ist der Bereich des schärfsten Sehens. Nach außen wird das Raster immer gröber, der Abstand von Bildpunkten muß hier größer sein, damit sie getrennt wahrgenommen werden können.
Eine besonderer Ort der Netzhaut ist der Austrittspunkt des Sehnerves.
Da hier kein Platz für Sehzellen ist, ist man an dieser Stelle praktisch blind, man spricht vom Blinden Fleck.
Die allgemeine Verteilung von Stäbchen und Zapfen ist ganz einfach.
Im Zentrum der Netzhaut, dort, wo man am schärfsten sieht, gibt es nur Zapfen (Farbensehen bei Helligkeit). Die weiter außen liegenden schlankeren Stäbchen, die nur bei schwacher Beleuchtung arbeiten, haben ein wesentlich gröberes Bildauflöseverhalten (10-20mal schlechter als bei den Zapfen im Zentrum), da mehrere zusammengeschaltet sind. Somit muß man leider auf die Fähigkeit des Scharfsehens bei Dunkelheit verzichten.
Lichtmessung
Im folgenden soll näher darauf eingegangen werden, in welcher Form die Lichtmessung in den Sehzellen geschieht, bevor jene die Stärke ihrer Erregung an das Netzwerk von Nervenzellen weitergeben.
Als Erklärungshilfe bedient man sich hier des Teichenmodelles des Lichtes.
Einen Lichtstrahl kann man sich dann als Folge von kleinen Energiepäckchen (Lichtquanten/Photonen) vorstellen.
Ihre Größe bzw. die Höhe ihrer Energie nimmt von der langwelligen Seite des Farbspektrums in Richtung der kurzwelligen stetig zu.
Beim Auftreffen von Lichtquanten auf Materie kann man unter anderem erkennen, daß unter bestimmten Umständen verschiedene Lichtanteile von eben jener Materie absorbiert werden.
So zum Beispiel bei einer farbigen Glasscheibe.
Hier werden beim Eintreffen weißen Lichtes die der Farbe der Glasscheibe entsprechenden Quanten durchgelassen. Die anderen Quanten hingegen werden von dem Farbstoff im Glas einfach geschluckt.
Im Auge läuft das so ähnlich ab.
Hier wird das Licht durch Farbstoffmoleküle in den Sehzellen eingefangen.
Die Zapfen besitzen einen Abschnitt der sich Außensegment nennt und dazu eingerichtet wurde, möglichst viel eintreffende Lichtquanten festzuhalten. Dabei wird das Außensegment von einer Membran gebildet, die so gefaltet ist, daß sie eine Unmenge von Sehfarbstoffmolekülen, genannt Rhodopsine, fassen kann.
Das in dem Rhodopsin, einem Eiweißmolekül, enthaltene Retinal (Vitamin A Abkömmling) gibt ihm seine spezifische Farbe und macht es so lichtempfindlich.
Das Retinal besitzt die Fähigkeit, sich zu verformen, wenn sich ein Lichtquant in ihm verfangen hat. Aufgrund dessen wird das Rhodopsin aktiviert, das seinerseits andere Eiweißzellen in Schwung versetzt, so daß letztendlich diese Kettenreaktion einen Spannungsimpuls zur Folge hat, der wesentlich energiereicher als das ursprüngliche Lichtquant ist.
Ein großer Teil der Energie des Spannungsimpulses kommt aus dem Stoffwechsel, der im Innensegment der Sehzelle vonstatten geht. Eine Synapse, eine mit einer Transmittersubstanz ausgestattete Schaltstelle, die das Bindeglied zum Nervennetz darstellt, befindet sich am Ende der Sehzelle.
Noch ein paar Bemerkungen zum Zustandekommen des elektrischen Erregungssignals im Zapfen.
Bei Dunkelheit fließt im Zapfen immer ein Strom (Rezeptorstrom) aus dem Innensegment ins Außensegment. Die Zellmembran fungiert dabei als Tor. Eingefangene Lichtquanten beeinflussen nun indirekt (über eine kompliziertes enzymatisches Reaktionssystem) die Größe dieses Tores derart, daß es umso kleiner wird, je mehr Quanten gefangen wurden. In diesem Falle nimmt also der Strom ab.
Auf diesem Wege ist es der Sehzelle möglich, ihren Erregungszustand der Synapse zu melden, die ihrerseits in der Lage ist, das empfangene Signal zu verarbeiten und weiterzuleiten.
Man kann sich also vorstellen, daß bei sehr hellem Licht berhaupt kein Strom mehr fließen kann. Demzufolge ist es im geblendeten Zustand unmöglich, verschiedene Helligkeiten zu unterscheiden.
In den Stäbchen (Dämmerungssehen) fließt schon bei geringen Helligkeiten kein Strom mehr.
Koinzidenzzähler
Aufgrund der Tatsache, daß der größte Strom in der Sehzelle bei Dunkelheit fließt und dadurch geringste Erregungen schon Signale erzeugen können, kann es passieren, daß der ganze Vorgang auch durch andere Ereignisse als Lichtquantenabsorption hervorgerufen werden kann. Das Gehirn selbst kann dort keinen Unterschied ausmachen.
In der Retina ist aber ein wirkungsvoller Zählmechanismus vorhanden, der erst dann Signale zuläßt, wenn mehrere Sehzellen (mind. drei) gleichzeitig erregt wurden.
Im Falle des "Sternchen-Sehens" bei "Faust-aufs-Auge-Vorgängen" kann aber auch diese Absicherung keine Dienste leisten.
Adaption, Regulierung der Empfindlichkeit
Die Sehzellen sind in der Lage, ihre Lichtempfindlichkeit den Umständen entsprechend einzustellen, indem sie die Verstärkungsfunktion des oben erwähnten enzymatischen Reaktionssystems beeinflussen.
Bei großer Helligkeit (hell adaptierte Sehzellen) ist die Verstärkung sehr gering, beim plötzlichen Übergang in Dunkelheit (dunkel adaptierte Sehzellen) nimmt die Empfindlichkeit (Verstärkung) wieder zu.
Um einen gleich großen Rezeptorstrom hervorzurufen, bedarf es also bei dunkel adaptierten Zellen weniger Lichtquanten als bei hell adaptierten.
Interessant daran ist, daß erst nach ca. einer Stunde in völliger Dunkelheit die gröte Empfindlichkeit erreicht ist, man dann also die wenigsten Probleme hat, sich in der Umwelt zu orientieren.
Auflösung der Reizdauer
Leider ändert sich der Rezeptorstrom nicht synchron mit den Reizänderungen. Es existiert eine merkliche Verzögerung, die bewirkt, daß der Strom nach einer Zehntelsekunde seine volle Höhe erreicht und erst eine halbe bis eine Sekunde nach Nachlassen des Reizes vollkommen abgeklungen ist.
Das Auge kann Lichtreize nur dann getrennt registrieren, wenn der jeweilige Vorgang abgeschlossen ist.
Bei kurzer zeitlicher Abfolge von Reizen können wir also keine zeitliche Trennung mehr wahrnehmen, schnelle Bildfolgen in Film und Fernsehen verschaffen uns die Illusion von bewegten Bildern.
Verrechnung der Meßergebnisse
Wie weiter oben schon gesagt, gelangen die Informationen über die Stärke der Erregung in das in der Retina den Sehzellen nachgeschaltete Netzwerk von Nervenzellen.
Bevor sie von hier über den Sehnerv zum Gehirn gelangen werden sie nach dem Verfahren der Frequenzmodulation verschlüsselt, das heißt, daß sich verschieden starke Erregung in einer Änderung der Erregungsfrequenz äußert.
Im wesentlichen werden die Informationen in der Netzhaut und im Gehirn über die Operationen Addition, Multiplikation, Differentiation und Integration bearbeitet.
Im folgenden sollen spezielle Verrechnungen von Erregungsdaten, wie Randkontrastverschärfung, Farbensehen und räumliches Sehen behandelt werden.
Randkontrastverschärfung
| Wie läßt sich der Effekt, der sich beim Betrachten der Abbildung ergibt, also das Entstehen gräulicher Verfärbungen an den Kreuzungen, erklären? |
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Die zu beobachtende Erscheinung ist auf die gegenseitige Beeinflussung benachbarter Sehzellen als Resultat der Verrechnung von Erregungsdaten zurückzuführen.
Dadurch scheinen helle Flächen in dunkler Nachbarschaft heller als in heller Nachbarschaft und dunkle Flächen in heller Nachbarschaft dunkler als in dunkler Nachbarschaft.
Man spricht in diesem Zusammenhang von "Randkontrastverstärkung durch laterale Hemmung", was nichts anderes bedeutet, daß ein erregter Rezeptor eine Hemmwirkung auf seine Nachbarn ausübt, die sich proportional mit der Stärke der Erregung ändert. Dadurch werden schwach erregte Rezeptoren durch ihre stark erregten Nachbarn regelrecht unterdrückt.
Die Randkontrastverstärkung ist aber eine sinnvolle Einrichtung, sie verschärft das kontrastreiche Sehen und läßt uns zum Beispiel unsaubere Grenzen besser interpretieren.
Farbensehen
Die wohl bedeutendste Fähigkeit im Zusammenspiel Auge-Gehirn ist offensichtlich die Unterscheidung verschiedener Farbtöne als Resultat der Verrechnung bestimmter Lichtreizkombinationen.
Wie gesagt, fällt das Farbensehen in den Zuständigkeitsbereich der Zapfen.
Jeder Zapfen ist in der Lage Lichtquanten einzufangen, jedoch mit dem jeweiligen Unterschied, daß bestimmte Zapfen gerne Quanten bestimmter Größe einfangen (siehe oben Lichtmessung).
Jedoch unabhängig von dem eingefangenen Teilchen erfolgt eine gleichwertige Erregung. Diese kann im Einzelnen zu keiner Aussage führen.
Erst das Zusammenspiel der drei Zapfenarten, die man in rot-, grün- und blau-empfindliche Zapfen einteilt, ermöglicht im weiteren Verlauf die Farbunterscheidung.
Dabei unterscheiden sich die drei Zapfentypen durch unterschiedliche Vorlieben des jeweiligen Rhodopsins, eben den entsprechenden Lichtquanten gegenüber.
Zum besseren Verständnis stellt man sich eine Lichtquelle vor, die nur Quanten einer bestimmten Größe aussendet. Angenommen die Größe entspricht dem blauen Anteil des uns bekannten weißen Lichtes.
Dann ist es der blau- empfindlichen Zelle eher möglich, am meisten davon einzufangen, es wird also stark erregt.
Da die rot- und grün-empfindlichen Zellen für diese Teilchengröße nicht prädestiniert sind, sind sie allenfalls in der Lage, einen Bruchteil einzuheimsen. Ihre Erregung fällt wesentlich geringer aus.
Auf diesem Wege gibt es für Licht, das uns in unterschiedlicher Farbe erscheint unterschiedliche Erregungskombinationen der drei Zapfenarten.
| Die eigentliche Farbempfindung ist aber erst das Ergebnis einer Verrechnung dieser Kombinationen im Gehirn, das ständig die Höhe der Erregung der jeweiligen Zapfen feststellt. Dabei ist es nicht möglich zu unterscheiden, ob die jeweilige Farbempfindung von einer einfarbigen Lichtquelle herrührt oder von einer Mischquelle, die diese Farbe erzeugt. |
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Ein bekanntes Beispiel dafür ist der Versuch mit einer schwarz-weiß- gemusterten Scheibe, die langsam rotiert und so ein zeitliches Erregungsmuster erzeugt, das unser Gehirn mit dem von farbigen Lichtstreifen verwechselt.
Räumliches Sehen
Räumliches Sehen ist ein Verrechnungsergebnis des Gehirns, aus den beiden Teilbildern, die das jeweilige Auge liefert. Zwar ist es kein Problem für uns, uns in einer bekannten Umgebung mit nur einem Auge zu orientieren, jedoch wird dies in unbekannten Situationen erheblich schwieriger.
| Ein Ausweg liefert da das Betrachten aus unterschiedlichen Richtungen, wodurch ein umfangreicher Eindruck der räumlichen Umgebung gewonnen werden kann. Das Betrachten aus unterschiedlichen Richtungen erledigen die beiden Augen aus einem Abstand von ca. 6-7 cm heraus. Das Gehirn berechnet aus den Unterschieden der beiden Bilder die entsprechenden Tiefeninformationen, die besonders intensiv beim Betrachten naher Gegenstände ausfällt. |
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An dieser Stelle verweise ich auf meinen anderen Beitrag, der sich mit der Technik der Hologramme befaßt, einer interessanten Möglichkeit der Speicherung dreidimensionaler Informationen auf zweidimensionalen Medien.
Das Material für diesen Beitrag lieferte das Buch "Vom Reiz der Sinne", herausgegeben von Alfred Maelicke
(VCH Verlagsgesellschaft mbH, Weinheim, 1990).