NewMedia FHTW-Berlin, Universität Linz

NewMedia

Inhalt:

Grundlagen

Einem Thema einen Rahmen zu geben ist deshalb sinnvoll, weil damit ein Fundament geschaffen wird, welches das gewählte Gebiet von den übrigen abgrenzt; um sozusagen nicht von "Gott und der Welt" sprechen zu müssen. Andererseits schützt der Rahmen auch davor, "letzte Fragen" klären zu müssen. Solche befinden sich im Wittgenstein`schen Sinne im Jenseits, im Transzendentalen.

Hier fragen wir nicht warum der Mensch kommuniziert, wir fragen auch nicht warum er ist! Es wird lediglich festgestellt, daß er ist und kommuniziert und daß er mit seiner Kommunikation etwas (bewirken) will.

Für das Thema NewMedia bildet die menschliche Kommunikation diesen Rahmen. Selbst das Feld der Aussagen über die menschliche Kommunikation ist groß genug, eigentlich zu groß um auch nur den geringsten Anspruch an Vollständigkeit zu erfüllen. Es wird daher nur gelingen einen kleinen, zumindest relevanten Ausschnitt aufzugreifen.

Erklärungsansatz "New Media"

Die Frage nach dem Neuen am Neuen muß sich jeder gefallen lassen, der dieses Attribut für sich beansprucht. Demnach auch die "Neuen" Medien. Die folgenden Thesen sind als Versuch zu verstehen, die Grenze zwischen den klassischen Medien und den Neuen zu ziehen. Diese Thesen dienen aber auch dazu, konstitutive Merkmale der Neuen Medien herauszuarbeiten.

Thesen

Die Synthese:

Die Neuen Medien geben dem Menschen
die Vision der Telepräsenz.
Unabhängig von Ort und Zeit,
ohne den Zwang zur Synchronisation
verschafft die Technik auch dort einen Hauch
zwischenmenschlicher Kommunikation wo sie
naturgegeben nicht stattfinden kann.
Die Welt wird zu einem globalen Dorf,
indem "jeder" über "alles" bescheidwissen kann.

Es handelt sich jedoch um eine Virtuelle Kommunikation um eine Mischung aus Mensch und Maschine zum Kommunikationspartner.

Menschliche Kommunikation

Am Anfang war das Wort

Kommunikation scheint eines der wichtigsten Güter des Menschen. Ohne Kommunikation ist der Mensch nicht Mensch. Die menschliche Kommunikation hat sich sehr bald an die Technik gebunden. Wenn B. Russell schreibt: "Without language, or some pre-linguistic analoge, our knowledge of the environment is confined to what our sense have shown us, ... but by the help of speech ... we are able to know what others can relate, and to relate what is no longer sensibly present..".bezieht er offensichtlich auch den Gebrauch der Verbreitung geschriebener Sprache mit ein. Denn wie hätte ich von seinen Gedanken erfahren, da er sie mir persönlich nicht mitgeteilt hat?

Der Entwurf oder der Gebrauch von Techniken, welche die Kommunikation unterstützen, kann an den Grundlagen menschlicher Kommunikation nicht vorbeigehen.

Was haben jene zu sagen, die sich intensiv mit dem Menschen und seiner Kommunikation beschäftigten? Können die Gesetzmäßigkeiten menschlicher Kommunikation auf die Virtuelle Kommunikation übertragen werden? Wo wirkt der Gebrauch der Technik in der Kommunikation zurück auf die Gesetzmäßigkeiten der Kommunikation selbst?

Möglicherweise können erste Antworten schon in jenen Werken gefunden werden, die unbeeinflußt von der Vision des globalen Dorfes entstanden sind.

  1. Wittgenstein: Tractatus logico-philosophicus

    Wittgensteins Werke kreisen um die Grundlagen (menschlicher) Logik, der Bilder, Symbole und Sätze, der Wahrheit und der Mystik. Er wollte die der Sprache innewohnende Struktur entdecken und erkannte, daß es allerdings Unaussprechliches gibt.

    Kunst, Ethik und Ästhetik sind transcendental
    sie sind unaussprechlich

    Im Tractatus logico-philosophicus, Oxford 1959, will Wittgenstein der Sprache eine Grenze ziehen. Er ist sich sicher, das "Problem der Sprache" gelsöt zu haben. Ihm ist aber gleichzeit bewußt, wie wenig damit getan ist.

  2. Umberto Eco: Semiotik

    Eco gilt als Begründer der Semiotik, die er als Lehre von den Zeichen verstanden haben will. Er ist Professor an der Universität Bologna und Verfasser zahlreicher berühmter Romane.
    Die Ausweitung der Betrachtung sprachlicher Symbole auch auf nichttextuelle (z.B. Icone) scheint ein wichtiger Aspekt für die Betrachtung neuer Medien zu sein, denn ikonografische Gestaltungselemente sind in den meisten einschlägigen Werken, ein dem Text ebenbürtiges Element.

  3. Paul Watzlawick: Menschliche Kommunikation

    Paul Watzlawick beschäftigt sich in vielen seiner Werke mit Formen, Störungen und Paradoxien menschlicher Kommunikation. Sein zentrales Bestreben ist die Darstellung von Kommunikations-Störungen und die daraus folgende Therapie. Er entwickelt dabei aber auch ein Modell menschlicher Kommunikation, gefaßt in pragmatischen Axiomen:

    Seine Axiome sind es wert, auf die Neuen Medien gespiegelt zu werden:

Konzepte

Es gibt und gab Visionäre, sie entwickelten Anwendungsbereiche längst bevor die Technik reif genug zur Umsetzung war. In den Köpfen der Visionäre flogen Menschen durch die Lüfte oder zum Mond, lange vor jener Zeit, welche die notwendigen Materialien und Antriebssysteme zur Verfügung stellen konnte.

Die Idee bleibt bis zu deren Umsetzung ein Konzept.

Xanadu

Orson Welles verwendete den Begriff XANADU, um den Traum auszudrücken, daß jeder Mensch auf Erden, Zugriff auf das gesamte Wissen der Welt hat. Diese Idee lebte weniger von Satellitenkommunikation und weltumspannenden Netzen, als von einer besseren Welt in der Mißverständnisse sogut wie ausgeschlossen sind.

Hypertext

Ted Nelson träumte davon, XANADU mittels Computersysteme zu realisieren und entwarf ein Programm "to keep track of all the divergent paths of thinking and writing". Eines der wichtigsten Konzepte, das "branching and nonlinear writing" nannte er Hypertext. Eine Zusammenstellung von Arbeiten zu den Themen: Hypertext und Xanadu zeigt deren Vitalität.

Techniken

Das überproportional steigende Preis/Leistungsverhältnis der Informaitons- und Kommunikationstechnik wirkt wie ein Katalysator, der das Entstehen und Wachsen neuer Medien reizt. Andererseits ist ein Mindestmaß an Leistungsfähigkeit (z.B. Übertragungsgeschwindigkeit in der Telekommunikation, leichte Bedienbarkeit) Voraussetzung um den Wachstumsprozess in Gang zu setzen.

Der Durchbruch eines neuen Mediums setzt aber auch voraus, daß neue Kommunikations- in Informationsformen zu anerkanntem Kulturgut geworden sind. Ausreichend viele Personen müssen lernen, ihre Gedanken mit Bildern, Animationen, Tonsymbolen, Videos, etc. auszudrücken, oder den Ausdruck anderer zu verstehen.

Welche Techniken können nun als NewMedia Techniken angesehen werden und was leisten sie?

  • Der digitale Ton
  • Digitale Bilder

    Medien

    Neue Medien bergen den Anspruch, als Ganzheit - im Sinne menschlicher Kommunikation - akzeptiert zu werden. Weder die Form noch der Inhalt macht das Medium, sondern das gekonnte Zusammenspiel zwischen Form und Inhalt. Die Neuen Medien sind erst im Entstehen. Sie müssen ihren Weg in den Alltag finden, ebenso wie dies Bücher, Schallplatten, die Tageszeitung oder das Fernsehen getan haben.

    Die Technik verleiht jedem Medium seinen Gestaltungsrahmen. Das Papier prägt das Erscheinungsbild des Buches und der Zeitung, die Projektion auf die Leinwand gibt dem Kino das Flair. Die Neuen Medien benutzen neue Techniken und werden in analogem Sinne von diesen geprägt. Schon allein deshalb kann und wird z.B. eine elektronische Zeitung niemals so beschaffen sein, wie ihr klassisches Vorbild. Dem Begriff "Zeitung" kommt in den Neuen Medien nur mehr ein metaphorischer Wert zu.

    Welche Systeme haben nun eine Chance auf breite Akzeptanz und wie werden diese Systeme gestaltet sein?

    Compact Disc - Systeme

    Der "digitale Datenträger" auf Basis der Lasertechnik hat sich in der Unterhaltungselektronik einen, anfangs nicht erwarteten, Durchbruch verschafft. Bald begann die Computerindustrie denselben für sich zu entdecken. Normen und Standards folgten, in sogenannten "bunten Büchern" festgelegt.

    Einige dieser Standards sind unter nachfolgenden Bezeichnungen bekanntgeworden:

    Bilden die CD Systeme die Grundlagentechnik für eine neue Klasse von Medien der Zukunft?

    Das INTERNET

    Das INTERNET wird als "Prototyp weltweiter Kommunikation" verstanden. Organisch gewachsen hat es in dezentraler Form seiner Entwicklung und Anwendungsfelder beinahe die gesamte Welt erobert. Wie konnte es dazu kommen?

    Video und Audio on Demand

    Broadcastsendungen dann und dort zu genießen, wenn es dem Empfänger gefällt hat eine neue Dimension. Der Ruf nach mehr Freiheit und Individualismus trifft auch die Medienpolitk. Diese Freiheit wird als demokratisches Grundrecht betrachtet.

    Orts- und Zeitunabhängigkeit ist eine der Basispotentiale der Neuen Techniken. Neues aus aller Welt, ständig abrufbereit, scheint eine neue Qualität. Warum sollte man nicht Regionalnachrichten aus dem Salzkammergut in Berlin hören können? Unabhängig von der Sendezeit der Bergbewohner!

    On Demand Systeme sollen in Zukunft diesen Aspekt der Unabhängigkeit von Ort und Zeit bringen. Werden die Kulturgüter der Welt in Zukunft jedermann zur Verfügung stehen?

    Cybercash und Cybermoney

    Geld ist eine besondere Art der Information; sie legitimiert den Anspruch auf Leistung. Ein Weltumspannendes Netz an Informationsaustauschsystemen (mit Informationen dieser besonderen Art) regelt seit Jahrzehnten das Wohl von Milliarden von Menschen.

    Die Lüge ist in diesem Bereich besonders unerwünscht. Der Anspruch an die Sicherheitssysteme ist deshalb besonders hoch.

    Anwendungsfelder

    Die Medienrevolution wird uns vorausgesagt, manchmal heißt es, wir stecken bereits mittendrin. Eine Revolution geht immer mit umfassenden Begleiterscheinungen einher. In der Wissenschaft spricht man in diesem Zusammenhang auch von Paradigmenwechsel.

    So gesehen befinden wir uns an einer Schwelle gesellschaftlicher Entwicklung, die dem Zeitalter der Aufklärung, dem Einleiten der Neuzeit entspricht. Wo im Alltagsleben werden wird das neue Zeitalter bemerken? Was wird so anders sein, daß es sich vom Alten deutlich abhebt?


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